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Was ist Jugendlichen wichtig?

Wertewandel: Mehr Materialismus, weniger Idealismus
Werte sind Orientierungsmaßstäbe. In den letzten fünf Jahren sehen wir bei den Jugendlichen eine leichte Verschiebung hin zu materialistischen Werten. Mehr Jugendliche
  • streben einen hohen Lebensstandard an (2020: 44% auf 2025: 48%),
  • wollen ihre eigenen Bedürfnisse durchsetzen (2020: 22% auf 2025: 28%) sowie
  • Macht und Einfluss gewinnen (2020: 14% auf 2025: 20%).
Idealistische Werte verlieren demgegenüber an Bedeutung: Meinungen zu tolerieren und umweltbewusst zu handeln werden weniger wichtig.
Freizeit: Musik, Social Media und Sport
An einem durchschnittlichen Wochentag stehen Jugendlichen etwa vier Stunden zur freien Verfügung. Zu den beliebtesten Aktivitäten zählen:
  • Musik hören (70%),
  • Social Media und Messenger-Dienste nutzen (68%) sowie
  • zu Hause abhängen (50%).
Oft wird auch gestreamt und Sport betrieben.
Im Fokus: Beziehungen, Ausbildung und Lebensgenuss
Jugendliche befinden sich in einer intensiven Phase der Selbst- und Welterkundung. Besonders bedeutend sind für sie der soziale Nahbereich, eine gute Ausbildung und der Lebensgenuss:
  • 84% der Jugendlichen legen Wert auf stabile Beziehungen.
  • 70% wünschen sich eine hochwertige Ausbildung.
  • 69% wollen das Leben genießen.
Der Fokus auf den sozialen Nahbereich zeigt deutlich, wie wichtig Jugendlichen das Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft ist.
Gestiegene Ansprüche an Beruf und Partnerschaft
Im Beruf wünschen sich Jugendliche heute
  • mehr Freizeit (2020: 57% auf 2025: 65%),
  • ein höheres Einkommen (2020: 34% auf 2025: 51%) und
  • gute Aufstiegsmöglichkeiten (2020: 43% auf 2025: 51%).
Auch bei der Partner:innenwahl nehmen
  • Familiengründung (2020: 70% auf 2025: 79%),
  • gleiche Religion (2020: 21% auf 2025: 39%) und
  • eine gute Ausbildung (2020: 27% auf 2025: 37%) an Bedeutung zu.
Hier zeigt sich, dass die Erwartungen an Beruf und Partnerschaft gestiegen sind

Wie es Jugendlichen geht?

Optimistischer Blick in die persönliche Zukunft
Trotz globaler Krisen und gesellschaftlicher Unsicherheiten blicken die meisten Jugendlichen in Österreich optimistisch in ihre persönliche Zukunft:
  • 45% der Jugendlichen sehen ihre eigene Zukunft völlig, weitere 43% eher positiv.
  • Junge Männer sind dabei deutlich zuversichtlicher als junge Frauen, am wenigsten optimistisch sind Jugendliche mit diverser Geschlechtsidentität.
  • Jugendliche aus privilegierten Haushalten blicken positiver in die Zukunft als jene aus benachteiligten Verhältnissen.
Das gesundheitliche Wohlbefinden sinkt
Das gesundheitliche Wohlbefinden junger Menschen in Österreich hat sich seit 2020 spürbar verschlechtert.
  • So ist inzwischen etwa jeder dritte junge Mensch dauernd oder oft schlecht gelaunt oder gereizt (36%), hat Rückenschmerzen (33%), Kopfschmerzen (31%) oder Einschlafprobleme (31%).
  • Insgesamt zeigt sich ein deutlicher Anstieg Jugendlicher mit einer hohen (von 4% auf 8%) und mittleren Beschwerdelast (von 50% auf 63%).
  • Bei jungen Frauen und diversgeschlechtlichen Jugendlichen haben die Beschwerden besonders stark zugenommen. Auch Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischen Hintergrund sind nach wie vor verstärkt betroffen.
Freundschaften als Rückhalt
Bei Problemen sind Freund:innen die wichtigsten Ansprechpartner:innen für Jugendliche.
  • 79% sind mit ihrem Freundeskreis sehr oder ziemlich zufrieden,
  • 76% besprechen Sorgen mit Freund:innen,
  • 11% haben allerdings niemanden zum Reden.
Sorgen und Ängste
Viele Jugendliche machen sich Sorgen und haben Ängste. Die Ängste spiegeln dabei ungleiche Lebenslagen und Ressourcenverteilungen wider.
  • Große Angst macht jungen Menschen vor allem, dass ihre Familie zerbricht (41%), dass sie eine schwere Krankheit bekommen (38%) und dass Krieg in Europa ist (36%).
  • Junge Frauen machen sich mehr Sorgen als junge Männer.
  • Jugendliche aus Familien mit Migrationsgeschichte befürchten häufiger Diskriminierung;
  • Jugendliche ohne Migrationsgeschichte nehmen eher die steigende Zuwanderung als Bedrohung wahr.

Schule als Lebensraum

Hohe Bildungsaspirationen
Dass Schüler:innen eine gute Ausbildung wichtig ist, wird auch durch ihre eigenen Bildungsziele sichtbar.
  • 22% der Jugendlichen möchten eine Lehre machen, 24% eine Berufsbildende höhere Schule abschließen und 19% streben ein Hochschulstudium an.
  • Je höher der Bildungsabschluss der Eltern, desto häufiger streben Jugendliche einen Hochschulabschluss an.
  • Junge Männer streben häufiger eine Lehre, junge Frauen häufiger ein Hochschulstudium an.
Gute Unterrichtsqualität, jedoch wenig Differenzierung
Unterrichtsqualität wird dann als hoch angesehen, wenn Klassenführung, kognitive Aktivierung, Unterstützung durch Lehrpersonen und Differenzierung gelingen.
  • Klassenführung: 80% der Jugendlichen können im Unterricht gut arbeiten.
  • Kognitive Aktivierung: Rund zwei Drittel der Jugendlichen müssen gründlich über Fragen im Unterricht nachdenken.
  • Unterstützung: Drei von vier Jugendliche erhalten konstruktives Feedback von ihrer Lehrperson.
  • Differenzierung:  Nur etwa ein Fünftel nimmt im Unterricht Wahlmöglichkeiten von Aufgaben nach Schwierigkeitsgraden wahr.
Insgesamt wirken junge Menschen im Durchschnitt recht zufrieden mit der Unterrichtsqualität.
Vielen geht es in der Schule gut, aber nicht allen
Wohlbefinden ist eine wichtige Voraussetzung für gelingendes Lernen.  
  • Etwas mehr als die Hälfte der Jugendlichen gehen gern zur Schule, haben dort Spaß und bewältigen die schulischen Anforderungen gut.
  • Gleichzeitig haben mehr als die Hälfte der Jugendlichen Schulsorgen, 28% weisen körperliche Beschwerden wegen der Schule auf und 14% fühlen sich in ihrer Klasse als Außenseiter:innen.
  • Männlichen Jugendlichen geht es in der Schule besser als weiblichen und diversgeschlechtlichen Jugendlichen
Die Schule als Raum für Demokratielernen, selten für Mitbestimmung
Eine große Mehrheit der Jugendlichen erlebt Schule als Ort, an dem demokratische Grundwerte vermittelt werden.
  • 88% lernen, dass es zu einer Sache unterschiedliche Meinungen geben kann.
  • 83% lernen ihre Meinung zu begründen.
  • Drei von vier Jugendliche lernen, dass alle die gleichen Rechte haben.
Schule ist gleichzeitig jedoch ein Ort mit wenigen Mitbestimmungsmöglichkeiten: Mehr als die Hälfte (57%) erleben, dass Entscheidungen ohne sie getroffen werden.

Politik und Gesellschaft

Niedrige Demokratiezufriedenheit, hohes Politikinteresse
  • Die Demokratiezufriedenheit ist in den letzten fünf Jahren gesunken (2020: 70% auf 2025: 42%).
  • Das Politikinteresse ist leicht gestiegen (2020: 45% auf 2025: 49%).
  • Höheres Politikinteresse geht mit höherer Demokratiezufriedenheit einher.
Akzeptanz demokratischer Grundwerte, aber eingeschränktes Vertrauen in Institutionen
Die große Mehrheit der Jugendlichen bekennt sich zu demokratischen Grundwerten:
  • 82% sehen die regelmäßige Teilnahme an Wahlen als Bürger:innenpflicht an.
  • 81% finden es wichtig, Kompromisse einzugehen, auch wenn man sich im Recht fühlt.
  • 56% finden allerdings, dass eine starke Hand einmal Ordnung in den Staat bringen sollte, und zeigen damit eine gewisse Affinität zu autoritären Positionen.
Das Vertrauen in politische Institutionen ist eingeschränkt: Der Wissenschaft (77%) und dem Bundesheer (77%) vertrauen deutlich mehr Jugendliche als der Bundesregierung (52%), dem Parlament (52%) und den politischen Parteien (38%).
Anerkennung von Vielfalt
Die große Mehrheit der Jugendlichen steht einer pluralistischen Gesellschaft indifferent bis positiv gegenüber, ein Teil drückt jedoch Vorbehalte aus. Die Ablehnung ist bei männlichen Jugendlichen deutlich höher als bei weiblichen. Auch Jugendliche mit autoritären Tendenzen äußern deutlich häufiger Vorbehalte.
Mehrwert von Mehrsprachigkeit
Etwa ein Drittel der jungen Menschen wächst mehrsprachig auf (24% Deutsch und andere Sprache; 10% andere Sprache). Die Jugendlichen bewerten Mehrsprachigkeit äußerst positiv:
  • 89% stimmen zu, dass Mehrsprachigkeit ihnen später im Leben nützlich sein wird.
  • 70% finden, dass Mehrsprachigkeit sie und ihr Umfeld bereichert.
Erfahrung von Diskriminierung
Diskriminierungserfahrungen variieren stark nach der Gruppenzugehörigkeit.
  • Eine besonders vulnerable Gruppe sind diversgeschlechtliche Jugendliche. Auch weibliche Jugendliche erleben häufiger Diskriminierung als männliche.
  • Mehrsprachige Jugendliche erleben häufiger Diskriminierung als ein-sprachige, etwa beim Verwechselt-werden (26% versus 8%).
  • 22% der Jugendlichen mit einer Behinderung geben an, in den Pausen in der Schule ausgegrenzt zu werden (alle Jugendliche: 7%).
Eine positive Grundeinstellung reicht also nicht aus, um allen Jugendlichen eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen.
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